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Mittwoch, 4. Juni 2014

Die Rente

Ist sicher nicht pünktlich da

Die pennen die Behörden. Diesen Eindruck hat ein 65-Jähriger, der seit fünf Wochen auf seine Rente wartet. Oder steht ihm Rente erst seit Anfang Juni zu? Darüber herrscht noch Uneinigkeit zwischen einem Jobcenter, das ihm Anfang April das letzte Mal Arbeitslosengeld II überwiesen hat, und der Deutschen Rentenversicherung in Berlin, die aber eins ganz sicher nicht will: Die Sache beschleunigen.

Ende Februar hat Karl Meier (Name geändert) Post von seinem Jobcenter bekommen. Die Förderung ende Ende April, denn ab Mai bekomme er Rente. Den Rentenantrag werde das Jobcenter stellen. Damit war Karl Meier einverstanden. Zwei Monate später erkundigte er sich per mail bei der Deutschen Rentenversicherug in Berlin nach dem Stand der Bearbeitungs-Dinge und bekam keine Antwort. Also wendete er sich schriftlich an seine örtliche Rentenversicherung, die ihm umgehend mitteilte, sie habe "keinen Vorgang". Darüber werde auch die Deutsche Rentenversicherung in Berlin informiert. Was geschah.

14 Tage später bekam der 65-Jährige Post aus Berlin. Mitgeteilt wurde ihm, dass der "formlose Antrag", den er am 2. Mai gestellt habe, nicht ausreichend sei. Dass er an diesem Tag derlei getan hatte, war Karl Meier bis dahin unbekannt. Trotzdem füllte er sofort alle Antragsformulare aus, einige Formulare waren für eine ausländische Rentenversicherung bestimmt, da er auch dort Ansprüche hat.

Der Brief kam vor acht Tagen in Berlin an. Das weiß der 65-Jährige inzwischen, denn am Montag hat er die Deutsche Rentenversicherung angerufen. Eine Mitarbeiterin teilte ihm mit, dass die zuständige Kollegin Urlaub mache. Aber sie werde sich die Akte ansehen. Danach vergingen fünf Minuten. Die Mitarbeiterin sagte: "Das ist aber ein dicker Umschlag in Ihrer Akte. Der ist aber noch gar nicht geöffnet worden." "Das sind meine Anträge", antwortete Karl Meier. "Dann gedulden Sie sich doch noch vier Wochen", schlug die Berlinerin vor. Die Frage, wovon er seine Miete bezahlen und seinen Lebensunterhalt bestreiten solle, ließ sie unbeantwortet. Karl Meier bat um einen Vorschuss. Das tat er nach diesem Telefongespräch auch per Fax und per mail, obwohl er inzwischen wusste, dass darauf niemand reagieren wird.

Heute wählte er die Nummer des Bürgertelefons beim Bundesarbeitsministerium. Seine Gesprächspartnerin war sehr freundlich. Für solche Beschwerden sei sie nicht zuständig, von ihr seien nur allgemeine Auskünfte über die Rente zu erwarten. "Reichen Sie doch eine Dienstaufsichtsbeschwerde beim Leiter der Deutschen Rentenversicherung ein", schlug sie vor. Davon hielt Karl Meier nichts. Er ist weiter der Meinung: "Das ist mein Geld, was die nicht rausrücken."


Freitag, 6. Januar 2012

Die Leiden des...

6. Januar 2012
...schon lange Arbeitslosen

Nennen wir ihn Holger K. Machen wir sein Alter zu einer Quizaufgabe:  Er ist zehn Jahre älter als Bundespräsident Christian Wulff. Verraten werden soll: Holger K. lebt von Hartz IV. Und verdient sich gelegentlich etwas dazu. Im vorigen Jahr knapp 600 Euro. Die muss er dem Jobcenter melden. Hat er getan. Wie jedes Jahr. Mit einer Auflistung, Datum, Geldeingang, Auftraggeber.

Reicht dem Jobcenter aber nicht mehr. Heute hat Holger K. per Post Formulare bekommen. Einen Formularsatz für den Zeitraum 1. Januar bis 30. Juni 2011, einen zweiten für den Zeitraum 1. Juli 2011 bis 31. Dezember 2011. Jeweils fünf Seiten. Die erste Frage lautet: Haben Sie Personal beschäftigt? Auf dem zweiten Formular soll Holger K. angeben: für jeden Monat die Betriebseinnahmen, die Privatentnahmen von Waren, sonstige Einnahmen, Zuwendung von Dritten, vereinnahmte Umsatzsteuer, Umsatzsteuer auf private Wareneinnahmen, vom Finanzamt erstattete Umsatzsteuer.

Holger K. fragt sich einen Augenblick: Habe ich dem Jobcenter irrtümlicherweise Einnahmen von knapp 60 000 Euro gemeldet? Muss er wohl, denn auf dem dritten Formular wird er gefragt nach: Wareneinkauf, Personalkosten für Vollzeitbeschäftigte, Teilzeitbeschäftigte, geringfügig Beschäftigte und mithelfende Familienangehörige, Raumkosten, betriebliche Versicherungen und Beiträge, Kraftfahrzeug- und Reisekosten.

Mit dem vierten Formular wird Holger K. zum Großkonzern. Verraten soll er deshalb dem Jobcenter die Höhe seiner Investitionen und die Kosten für Büromaterial, Telefon, Beratung und Sonstiges, wofür er gegebenenfalls ein "gesondertes Blatt" verwenden darf..

Bevor Holger K. das fünfte Formular ausfüllt, denkt er kurz über eine Verlagerung seiner Betriebsstätte ins Ausland nach, denn nun geht es ins Private wie Beiträge für Versicherungen und für die Riester-Rente. Außerdem soll er die Kosten für Fahrten zu seiner (?) Betriebsstätte angeben.

Geschafft. Als Multimillionär unterschreibt Holger K. und versichert, dass die Angaben auf den Formularen 2 bis 5 zutreffend sind. Die Frage auf dem ersten Formular nach der Zahl seiner Beschäftigten hätte er also falsch beantworten dürfen...